Reiseberichte aus dem Sanella-Album Mittel- und Südamerika

=========================================

Seite 62

Aus einem anderen steigen ständig Dampfsäulen hoch, oft stößt er auch gewaltige Flammen aus. Über 6000 Meter steigt der berühmte Chimborasso auf, der höchste Berg des Landes. Kilometerlang hängen riesige Gletscher herab. Die glühende Aquatorsonne kann ihnen nichts anhaben. - Wir haben eine Bergtour von der Hochebene auf einen der kleineren Gipfel gemacht. Es war wohl mit das unvergeßlichste Erlebnis unserer ganzen Südamerikafahrt: genau unter dem Äquator am Rande des ewigen Eises! Man muß freilich höllisch aufpassen. Unser Führer warnte uns vor einem Betreten des Gletschers und der Schneehänge. In der schmelzenden Sonnenglut ist die Lawinengefahr besonders groß. So haben wir das ewige Eis nur aus der Nähe gesehen und sind vorsichtig wieder abgestiegen.

.

Auf den Spuren der letzten Erdbebenkatastrophe

Ekuador - Land der Vulkane, Land der Erdbeben. An denen sind aber nicht immer die Vulkane schuld. Das Erdinnere des Andengebietes ist noch nicht zur Ruhe gekommen. Da stürzen plötzlich unvorstellbar große, unterirdische Hohlräume zusammen, und die Erdoberfläche wird wellenförmig bewegt. Gähnende Spalten reißen auf, in denen ganze Dörfer und Städte verschwinden. Oder eine Ortschaft wird kilometerweit verschoben. Weite Landstriche liegen in Trümmern. Kein Haus ist stehengeblieben, als vor wenigen Jahren eine solche Katastrophe hereinbrach. Wir haben jetzt noch die Trümmer gesehen. Eisenbahnen und Straßen waren unterbrochen, Brücken vom Erdboden verschwunden. Die Farmer fanden die früheren Grenzen ihrer Plantagengebiete nicht wieder.

.

Die Erde hatte sich buchstäblich verschoben. Tausende von Toten hat es gegeben. Uns wurde z. B. ein Platz gezeigt, wo vor Jahren ein Dorf gestanden hatte. Bei einem Erdbeben war es buchstäblich verschwunden, mit allem, was dazugehörte. Nur ein paar Grundmauern ragten noch aus dem Boden. Ich blickte unwillkürlich etwas mißtrauisch und beklommen zu den rauchenden Kratern auf. Noch sah alles ganz friedlich aus. Wer weiß aber, wann plötzlich wieder ein verheerender Aschenregen und Lavaströme die blühende, grünende Landschaft vernichten, während das Land rund um den Vulkan in kurzen, heftigen Stößen erbebt. Man hat aus der dauernden Gefahr aber auch manche Lehre gezogen. So fiel uns auf, daß in verschiedenen Orten die größeren Häuser und die Kirchen aus Bimsstein erbaut sind. Ich konnte mir das zunächst nicht erklären. "Ganz einfach", sagte Onkel Tom, der sich für alles Technische besonders interessiert. "Bimsstein ist leichter als Wasser. Wenn Dir bei einem Erdbeben eine solche Mauer auf den Kopf fällt, ist es gar nicht so schlimm."

Ein Fische speiender Krater

Jedesmal, wenn der Vulkan Cotopaxi ausbrach, lagen hinterher in Mengen faulende Fische in seiner Umgebung.

.

 Bildrückseite 80

 Bildrückseite 81